Hybriden

Frettchen Hybriden

  • Was sind Hybriden?

Unter einem Hybriden (Mischling) versteht man ein Lebewesen, dass durch Kreuzung von Eltern verschiedener Zuchtlinie, Rasse oder Arten hervorgegangen. Der Begriff Hybrid ist insbesondere in der Pflanzenzucht verbreitet, wird aber zunehmend auch in der Tierzucht verwendet.

  • Welche Frettchenhybriden gibt es?

Nicht jedes marderartige Tier kann mit einem Frettchen gekreuzt werden. Um zu prüfen, ob sich Tiere verpaaren lassen, muss man auf den lateinischen Namen achten. Frettchen = Mustela, ein Marder = Martes, amerikanischer Nerz = Vulpes. Diese Arten können nicht miteinander gekreuzt werden, ihre genetischen Anlagen können nicht kombiniert werden, da sie eine unterschiedliche Anzahl an Chromosomen haben. Allerdings können wilde Iltisse (Mustela) und europäische Nerze (Mustela) mit Frettchen gekreuzt werden. Es gibt also Frettchen-Iltis-Hybriden und Frettchen-Nerz-Hybriden.

  • Wie entstehen solche Frettchen-Hybriden und warum gibt es von Jahr zu Jahr mehr davon?

Vermutlich fing alles mit entlaufenen und unkastrierten Frettchenfähen an. Sie verpaarten sich mit den wild lebenden Iltissen und kamen dann trächtig wieder nach Hause oder wurden als Fundfrettchen abgegeben.

Bestimmt gab und gibt es auch Züchter die bei ihren Zuchttieren “frisches Blut” durch wilde Verwandte beimischen wollen.

Leider steht das Frettchen hoch im Kurs und ist noch immer ein Modetier dieser Zeit. Doch das Wissen über diese frechen Räuber hält sich nach wie vor in Grenzen und so ist es kaum verwunderlich, dass die meisten Frettchen mit einem guten Jahr noch nicht kastriert werden, obwohl es dringend nötig wäre. Dass eine Frettchenfähe (natürlich auch ein Rüde) in der Ranz besonders ausbruchsfreudig ist, wissen leider auch sehr weniger Besitzer. So kommt es von Jahr zu Jahr vor, dass sich eine ranzige, entwischte Fähe sich mit einem wilden Iltis paart. Nachdem aber der Iltis nach “getaner Sache” wieder zum Einzelgänger wird, suchen die domestizierten Fähen (inzwischen trächtig) wieder die Nähe des Menschen aus. Und nach ziemlich genau 42 Tagen gibt es dann zu Hause eine besonders “nette” Überraschung… Welpen! Frettchen-Hybriden der 1. Generation sind entstanden.

Hybriden der 2. Generation sind dann folglich die Nachkommen, also Welpen der 1. Generation.

  • Züchten mit Frettchen-Hybriden?

Mit Frettchenhybriden zu züchten, wäre absolut fahrlässig. Diese Tiere sind nicht dazu geschaffen, als normales Haustier ihr Leben abzusitzen. Schon die Population, die es zurzeit gibt, ist zu hoch. Auch sind oftmals Hybriden zweiter Generation nicht leicht zu halten, sie haben spezielle Bedürfnisse, die ihr “Wildes-Inneres” verlangen. Sollten unkastrierte Frettchen-Hybriden einmal ausbrechen, können sie sich ungehindert in der freien Wildbahn weiter vermehren. Immer mehr Hybriden sind die Folge. Deshalb auch hier: KASTRATION MUSS SEIN um eine stetig wachsende Hybridenpopulation einzuschränken.

  • Was macht diese Tiere so einzigartig?

Wie oben bereits beschrieben, handelt es sich bei solchen Tieren um eine Mischung aus zahmen Haustier und Wildtier. Die meisten Hybriden wissen selbst nicht so genau, was sie eigentlich sind.

Einerseits fühlt sich die Frettchenseite zum Menschen hingezogen, andererseits aber kommt der wilde Iltis bei näherem Kontakt zum Menschen Angst und Misstrauen auf.

Frettchen-Hybriden in der 1. Generation sind für eine Wohnungshaltung völlig ungeeignet (einzelne Ausnahmen gibt es auch hier zu finden) und auswildern kann man diese Halbwilden auch nicht, da sie für ein Leben in Wald und Wiese doch wieder zu sehr “Haustier” sind. Eine komplizierte Angelegenheit, für Frettchen-Hybriden und Besitzer.

  • Warum nicht in der Wohnung und warum nicht in die Wildnis?

Frettchen-Hybriden haben die Gene von Wild- und Haustier in sich. Die Tiere sind dem Menschen gegenüber meist sehr unsicher und haben oft Angst vor ihm. Bei Annäherungsversuchen sind sie sehr vorsichtig und beißen bei erahnter Gefahr blitzschnell zu um danach sofort in ein sicheres Versteck zu flüchten. Einerseits suchen die Gene des Haustiers den Kontakt zum Menschen, andererseits wären sie lieber für sich alleine oder bei Artgenossen (die Gene des Iltis)

Hybriden der 1. Generation sind eher Wild- als Haustier, aber eben nicht zu 100%. In der Natur wären sie eventuell in der Lage, durch die vererbten Instinkte des wilden Papas, Nahrung zu erjagen, aber die Gefahren, wie z.B. selbst von größeren Raubtieren oder Hunden getötet zu werden, können sie nicht mehr richtig abschätzen. Auch die Nahrungssuche erschwert sich durch Schnee und Eis im Winter so enorm, dass sogar reine Wildtiere es schwer haben, etwas Fressbares zu finden. Wie muss es da erst einem Frettchen-Hybrid ergehen? Der innerliche Drang dennoch die Nähe des Menschen zu suchen, wird außerdem immer durchkommen und so entstehen weiter innerliche Konflikte.

Sollte es gelingen, Frettchen-Hybriden auszuwildern, sollte man aber stets darauf achten, dass die Tiere kastriert werden, da es sonst zu einem erheblichen ökologischen Schaden kommen kann. Das bedeutet, dass zum Beispiel Kleintierpopulationen zu sehr eingeschränkt werden, dass sie sich nicht mehr erholen kann (so geschehen in Neuseeland, Sizilien oder Sardinien)

Wohnungshaltung oder gar das Leben in einem Zimmergehege im belebten Wohnbereich, wo immer Menschen daran vorbeigehen, wäre für diese scheuen Tiere ebenfalls falsch und mit ziemlicher Sicherheit eine Qual und dadurch nicht akzeptabel. Sie wären ständigem Stress ausgesetzt, könnten nicht flüchten und würden noch unsicherer und ängstlicher werden. Außerdem wären sie durch ihren enormen Bewegungsdrang in einem normalen Zimmergehege zu eingeschränkt und auch bei zusätzlich viel Freilauf in der Wohnung würden sie sich dann durch ihre ausgeprägte Ängstlichkeit eher verstecken als ausgelassen zu toben.

Am schönsten wäre für solche Tiere ein großes, naturalistisch eingerichtetes Außengehege (mit bis tief in den Boden betonierten Gittern) mit Buddelplatz, Wasserbecken und vielen hohlen Wurzeln und Baumstämmen, aber auch ein eigenes großes Frettchenzimmer mit Buddelkiste und vielen Kletter- und Versteckmöglichkeiten wäre möglich. Sie sollten in ihrem Revier so leben dürfen, wie sie wollen, werden aber vom Menschen gefüttert, soweit die Tiere es zulassen, kann mit ihnen auch gespielt werden. Natürlich muss das Gehege auch gereinigt werden und die Kuscheltücher ausgewechselt. So können sie zum Teil Wildtier sein, sind aber durch die menschliche Fürsorge trotzdem nicht ganz auf sich alleine gestellt.

Viele Hybriden der 2. Generation gewöhnen sich oft nach einer mehr oder weniger langen “Kennenlernzeit” an eine einzelne Bezugsperson, die sie dann mitunter sogar eifersüchtig gegenüber anderen Tieren verteidigt. Diese Bezugsperson darf den Frettchen-Hybrid anfassen und streicheln, mit ihm spielen und ihn hochheben. Bei fremden Personen ist das meistens nicht der Fall. Der Tierarztbesuch ist für fast alle Hybriden eine Qual und selbst gewöhnliche Besuche zu Hause werden nur hinter einem sicheren Versteck aus beobachtet. Diese Frettchen-Hybriden gewöhnen sich auch an die Wohnungshaltung. Sie bleiben aber meist scheu und vorsichtig, aber bei weitem nicht so ängstlich und zum Teil bissig, wie Hybriden der 1. Generation. Sie benötigen viel Ansprache, Liebe und Verständnis, der Umgang mit ihnen muss ruhig und ohne Hektik erfolgen und unnötige Stresssituationen sollten selbstverständlich von vornherein vermieden werden. Wenn man diesem einfachen Beispiel folgt, kann man sehr wohl auch mit gewissen Hybriden in einem Haushalt leben.

Eines sei noch wichtig zu erwähnen: Hybriden sind keine Kuschelfrettchen und werden es auch mit viel Zuwendung und Ausdauer nicht werden.

  • Wie erkenne ich einen Frettchen-Hybrieden?

Die folgenden Erscheinungsbilder und Eigenschaften sind reine Erfahrungswerte von uns und müssen nicht alle auf einmal vorkommen.

Achtung: Nicht alle Tiere zu denen ein oder mehrere der unten angeführten Eigenschaften passen, müssen automatisch ein Hybrid sein!!! 

> Sehr dunkles Fell und dunkler Nasenspiegel

> Größer und schwerer als “normale” Frettchen

> ängstlich, scheu, misstrauisch, zurückhaltend, lärmempfindlich

> oftmals Angstbeißer

> gehen eher gestreckt an den Wänden entlang

> stämmigere Beine, kräftigere Muskeln

> straffe Muskelanspannung beim Hochheben und Halten

> Springe und klettern gerne und gut, sehr flink und wendig, klettern Kopfüber

> machen sehr gerne und oft sehr lange “Männchen”

> Verstecken sich sofort bei vermeintlicher Gefahr und kommen nur langsam wieder hervor

> Schleichen in fremder Umgebung eher geduckt den Wänden entlang

> Suchen beim Freilauf immer Deckung

> Mögen nicht gerne unter dem Bauch angefasst werden und hochgehoben werden

> Verteidigen stark ihr eigenes Revier, oft auch die Bezugsperson

> Werden im Spiel sehr grob

> Lieben meistens das Schwimmen oder Tauchen im Wasser

> Geben kaum Laute von sich

> 1. Generation oftmals Einzelgänger, 2. Generation normal Gruppenfähig und eher an die Wohnungshaltung zu gewöhnen

                              

Hybridenmädchen Joey [Iltis]                   Hybridenfähe Kimmy [Badger], beide aus 1. Generation.

  • Wie verhalte ich mich, wenn ich so ein Frettchen-Hybriden zu Hause habe?

Die meisten Leute bemerken recht schnell, dass mit den erworbenen Frettchen, zumindest einem davon, etwas nicht stimmt, wenn es sich tatsächlich um einen Hybriden handelt.

Mit diesen Tieren ist als Anfänger recht schwer umzugehen und selbst für erfahrene Frettchenbesitzer ist es nicht immer leicht, mit solchen Hybriden umzugehen.

Zuerst einmal sollte 100%ig abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen Frettchen-Hybriden handeln könnte. Nicht jedes dunkle Frettchen welches ab und an mal zwickt ist gleich ein Halbwilder!! Ein frettchenerfahrener Tierarzt kann bei solch einer Frage meistens auch Auskunft geben und kann einen Hybriden leichter erkennen.

Ist man sich sicher, dass es sich um einen Frettchen-Hybriden handelt, kann man nur noch das Beste aus der Situation machen und den Tieren ein so artgerechtes Leben wie nur möglich bieten.

Andere Möglichkeiten wären, dass man sich sofort mit erfahrenen Leuten wie etwa Frettchenvereinen oder Hilfen bzw. Zoos in Verbindung zu setzt. Diese Einrichtungen können bestimmt mit vielen guten Tipps und Ratschlägen weiterhelfen und bieten auch gerne Hilfe im Umgang mit den meist scheuen Räubern an.

Bei Zoo- und Tierhandlungen bezüglich Hybriden anzufragen ist gänzlich abzuraten, da das Personal dieser Geschäfte in seltenen Fällen wirklich Kenntnis über die einzelnen Tierarten hat.

 

Der Unterschied zwischen Hybrid und keinem Hybrid ist durch die dunkleren Frettchen-Fellfarben sehr schwer geworden und oft nur sehr schwer zu erkennen, ob es such um einen Hybriden oder ein sehr ängstliches oder nicht geprägtes Frettchen handelt.