Kastration in Bildern

Jedes Frettchen gehört kastriert.

Doch nicht jeder Tierarzt hat auch die Erfahrung und das Können, um unsere flauschigen Freunde auch wieder gesund aufwachen zu lassen. Leider kommt es immer noch vor, dass gerade Fähen aus der zu tiefen Narkose nicht wieder aufwachen. Deshalb ist es besonders wichtig, gerade bei Kastrationen, immer einen frettchenerfahrenen Tierarzt aufzusuchen.

Wir durften unserem Vereinstierarzt aus Graz, Dr. Felix Pfleger, mal über die Schulter gucken und wollen euch diese Erlebnisse natürlich nicht vorenthalten.

 

Medizinische Daten zum Patienten – Kastration Rüde:

Dino, Jungrüde, ca. 8-10 Monate, voll in der Ranz, Hoden korrekt und ganz ausgeprägt. Frettchen (sowie andere Tiere) sollten bei einer Narkose-OP immer nüchtern sein, das heißt Magen- und Darmtrakt sollen entleert sein. Bei Frettchen sind das in etwa 3-4 Stunden vor der Operation, wo sie nichts mehr zu fressen haben dürfen. Wasser sollte allerdings immer vorhanden sein. Atmung und Herz sind in Ordnung, also steht der Narkose nichts mehr im Weg.

Dino bekommt eine kleine Menge Narkosemittel und schon nach nur wenigen Minuten ist er in einem schönen Traum. Er bekommt noch Salbe in die Augen, damit diese nicht austrocknen.

Dino wird in Position gebracht. In Rückenlage, die Hoden schön frei daliegend. Bei stark behaarten “Goggerln” müssen diese rasiert werden.

Die Hoden werden gefasst und mit einem Desinfektionsmittel kurz behandelt, damit keine Bakterien in die Wunde kommen.

Nach der Desinfektion werden die oberen Hautschichten vorsichtig durchtrennt, bis man die einzelnen Hoden erkennen kann. Danach wird ein Hoden nach dem anderen herauspräpariert und entfernt.

Dazu werden die einzelnen Hoden fixiert und mit einem Faden abgeschnürt (die Durchblutung wird gänzlich abgeschnürt). Mit einer Schere wird dann der Samenstrang durchtrennt. Eine weitere Naht ist hierbei nicht notwendig. Das gleiche passiert dann auf der anderen Seite und schnipp schnapp, ist auch der zweite Hoden schon draussen.

Eine reguläre Kastration bei einem Rüden dauert gerademal ein paar Minuten. Die ganze Operation sollte so gut wie ohne Blut verlaufen, lediglich das kurze Durchtrennen der Samenleiter kann einen Blutstropfen hervorbringen. Starke Blutungen sollten nicht auftreten.

Dino hatte nach knappen 10 Minuten nach Beendigung der Kastration wieder Reflexe (Lidschluss, Barthaare bewegen) und nach einer halben Stunde war der kleine Bub wieder munter, hat fleißig gefuttert und getrunken.

Dino hat bei seiner Kastration keine Nähte bekommen, da die kleine Wundhöhle sehr schön verheilt lediglich ein Antibiotikumpulver hat er draufbekommen. Es kann allerdings sein, dass Rüden mit relativ großen Hoden zwei kleine Nähe (meiste selbstauflösend) bekommen.

 

Medizinische Daten der Patientin – Kastration Fähe

Pixie, Jungfähe, ca. 7 Monate, am Beginn der Ranz, Vulva leicht geschwollen, kleine Verhaltensänderungen und starke Geruchsentwicklung. Pixie war, wie jedes Frettchen sein sollte, nüchtern. Atmung, Herz und Allgemeinzustand sind in Ordnung, der Kastration steht nun nichts mehr im Weg.

Pixie bekommt eine größere Narkosemittel als Rüden, damit sie tiefer schläft. Fähen sollten ausschließlich von frettchenerfahrenen Tierärzten kastriert werden, da das Narkosemittel schnell überdosiert werden kann und die gesunde Fähe wacht nicht mehr auf. Ebenfalls bekommt Pixie eine Salbe in die Augen, damit diese nicht austrocknen.

Pixie wird nun am Bauch rasiert, damit die Haare nicht in die offene Bauchhöhle stehen.

Nach der Rasur wird Pixies Bauch mit einem Desinfektionsmittel behandelt, damit keine Bakterien durch die Operation in die Bauchhöhle gelangen.

Pixie wird nun in Position gebracht. Ihre 4 Pfötchen werden mit Bändern am OP-Tisch befestigt, danach wird dieser leicht schräg gestellt, damit die Gebärmutter schön in den Bauchraum rutscht

Danach geht alles ziemlich flott. Die ersten Hautschichten werden durchtrennt, bis man in der Bauchhöhle ist. Ein frettchenerfahrener Tierarzt bekommt die Eileiter und die Gebärmutter schnell zu sehen und die Assistentin beginnt, den ersten Eileiter freizupräparieren.

Nachdem der erste Eileiter freigelegt wurde, geht es dem zweiten an den Kragen. Sie werden mit Klammern fixiert und herausgezogen, damit die Gebärmutter von der Blutversorgung abgetrennt werden kann.

Nach der Entfernung der kompletten Gebärmutter und Eileiter werden die Hautschichten wieder vernäht und mit einem desinfizierenden Spray behandelt. Bei Fähen wird zusätzlich noch ein Pflaster angebracht, damit die Wunde die ersten Tage trocken bleibt und die Fähen nicht an den Fäden rumknabbern. Viele Fähen begonnen aber, dieses Pflaster von selbst abzuknabbern, was auch nach einigen Tagen kein Problem mehr ist.

Eine Kastration bei Fähen ist ebenfalls eine relativ unblutige Geschichte. Sollte die Ranz aber schon weit fortgeschritten sein bzw. sich die Fähe in einer Dauerranz befinden, so ist das Gewebe sehr stark durchblutet und hierbei kann es auch zu starken Blutungen kommen. Dauerranzige Fähen müssen von einem sehr erfahrenem Tierarzt entfernt werden, da die Fähe sonst verbluten kann.

Leichte Nachblutungen nach der Kastration sind durchaus in vertretbar. Starke Blutungen, sodass das Pflaster völlig durchgeblutet ist müssen umgehend dem TA gemeldet werden bzw. die Fähe muss sofort wieder zum Tierarzt, damit dieser die Nähte kontrollieren kann.

Pixie hat de Eingriff gut überstanden und war nach knapp 2 Stunden wieder munter. Fähen müssen nach der Kastration gut warm gehalten werden, damit sie nicht unterkühlen und sie besser aufwachen können. Fähen müssen nach 10 Tagen zur Nahtkontrolle bzw. zum Fäden ziehen.